Dirk Kubatzki: Aktiv aus dem Stimmungstief – Sport für die Seele

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Unterrepräsentiert, aber von wachsender Bedeutung: Wer psychisch krank ist, profitiert von speziellen Rehasportangeboten. Zentrale Zielstellungen sind dabei die Wiederherstellung und Stabilisierung der personalen, lebenspraktischen und sozialen Kompetenzen.

Rehasport kann Menschen mit psychischer Erkrankung dabei helfen, eine positive Beziehung zum eigenen Körper zu entwickeln, die Wahrnehmung und Einschätzung des eigenen Selbst zu verbessern, die aktive Auseinandersetzung mit der sozialen und materiellen Umwelt zu unterstützen sowie soziale Beziehungen zu gestalten.

Gesundheitspolitische Entwicklung

In den letzten Jahren ist die Zahl der Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden, drastisch gestiegen. Bei Krankschreibungen, Erwerbsminderung und Frühberentungen ist mittlerweile jeder dritte Fall auf psychische und psychosomatische Erkrankungen zurückzuführen.

Unwissenheit erzeugt Stigmatisierung und Ausgrenzung

Psychisch Kranke stoßen in ihrer Umgebung häufig noch auf Unverständnis und Ablehnung. Freunde, Verwandte und Kollegen wissen nicht, wie sie mit ihnen umgehen sollen. Auch der Partner wendet sich häufig ab. Betroffene werden in unserer Gesellschaft eher negativ wahrgenommen, nicht selten stigmatisiert und diskriminiert.

Viele betroffene Menschen trauen sich kaum, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, aus Angst, gesehen zu werden. Außerdem gibt wohl niemand gerne zu, psychisch krank zu sein aus Angst vor einer Einschränkung der Selbstbestimmungsfähigkeit, aus Angst, zu einer Randgruppe zu gehören, oder aus Sorge um die Arbeitsfähigkeit.

 Rehasport als Chance, Normalität zu leben

Rehabilitationssport im Bereich Psychiatrie bietet eine große Chance, Normalität und Inklusion voranzubringen, die sich die Vereine nicht entgehen lassen sollten.

Je nach Infrastruktur sind z. B. im Ausdauertraining auch Sportarten, die an der frischen Luft durchgeführt werden, denkbar. Lauftrainings gegen Depression, die auch Elemente von Walking und NordicWalking beinhalten, sind seit langem erprobt und erfreuen sich großer Beliebtheit. Aber auch die zyklischen Sportarten Schwimmen in Verbindung mit Aquagymnastik sowie Rudern und Radfahren sind sinnvolle Varianten. Wichtig ist dabei neben der Verbesserung des Fitnesszustandes und der Reduzierung von kardiovaskulären Risikofaktoren immer auch die Wahrnehmung und Reflexion der eigenen Trainingserfolge – und damit die Motivation, nachhaltig weiter zu trainieren.

Zur Schulung der Körperwahrnehmung eignen sich Atemübungen, Igelballmassagen oder Stationstraining mit Angeboten zur Sinneswahrnehmung. Eine bewährte Entspannungsmethode ist die Progressive Muskelrelaxation, da sie die Teilnehmer fordert, im Hier und Jetzt“ zu bleiben. Je nach Erfahrung des Übungsleiters können auch Elemente aus anderen Verfahren wie Feldenkrais oder Qi Gong eingesetzt werden.

Das Medium Sport und Bewegung bietet eine gute Möglichkeit, Situationen zu üben und zu trainieren, wie sie im Alltag vorkommen. Gerade wenn es um das Miteinander geht, also um psychosoziale Fähigkeiten, bieten z. B. Spielformen ein weites Übungsfeld: Wie hoch ist die Frustrationstoleranz, wie reagieren Teilnehmer in Konfliktsituationen in ihrer Mannschaft oder mit dem Gegner? Welche Taktik ist hilfreich, um gemeinsam ans Ziel zu kommen? Wie ist es, die Rolle des Schiedsrichters inne zu haben? Große Sportspiele mit intensivem Körperkontakt sollten in ihrem Regelwerk so modifiziert werden, dass die Verletzungsgefahr minimiert wird.

Dirk Kubatzki
gekürzt aus
:
aktiv dabei
– Fachmagazin Bewegung und Sport für Menschen mit Behinderung
Ausgabe 11-2013